10.09.2010

Mildes Urteil

3 Jahre und 6 Monate f√ľr √úberfall auf Taxifahrer

Das Oldenburger Landgericht hatte in dieser Woche √ľber den Fall eines strangulierten Taxifahrers zu urteilen.

Ein 20j√§hriger Mann und eine 14j√§hrige Jugendliche aus Varel wurden beschuldigt, am 23.03.2010 in ein Taxi gestiegen zu sein mit der Absicht, den Taxifahrer am Zielort aus Habgier heimt√ľckisch zu t√∂ten. Von diesem Vorwurf blieb bei der gerichtlichen Beweisaufnahme der Mordvorwurf auf der Strecke.

Die beiden Angeklagten waren in der Nacht zum 23.03.2010 am Vareler Bahnhof in ein Taxi gestiegen und hatten als Zielort die Oldenburger B√ľrgerstra√üe genannt. Ein Zufallsort, die Stra√üe war dem Angeklagten als einzige namentlich bekannt. Dort angekommen hatte der auf der R√ľckbank sitzende Angeklagte dem arglosen Taxifahrer von hinten einen G√ľrtel um den Hals gelegt und bis zur Bewu√ütlosigkeit zugezogen. Anschlie√üend hatten die Angeklagten die Geldb√∂rse entwendet und waren vor den durch Zeugen alarmierten, lautstark anr√ľckenden Einsatzfahrzeugen gefl√ľchtet. Das bewu√ütlose und blutende Opfer hatten sie auf der Stra√üe liegen gelassen. Ein mitgef√ľhrtes Messer war nicht zum Einsatz gekommen. Die Angeklagten waren kurze Zeit sp√§ter in Tatortn√§he festgenommen worden. Der Taxifahrer wurde noch in bewu√ütlosem Zustand in ein Krankenhaus bef√∂rdert, konnte dieses aber schon einige Tage darauf wieder verlassen. Folgesch√§den verneinte er vor Gericht.

Das Gericht kam bei der Urteilsverk√ľndung zu dem Schlu√ü, da√ü der Mordvorwurf nicht zu halten sei. Der Angeklagte habe laut Zeugenaussagen die Strangulation in dem Augenblick beendet, in dem der Taxifahrer bewu√ütlos geworden sei. Das zeige, da√ü der Angeklagte den Tod des Fahrers nicht gewollt habe.

Der 14-J√§hrigen wurde bei der Tatbeteiligung eine eher passive Rolle zugeschrieben. Obwohl sie es gewesen sei, die vor der Fahrt das Messer eingesteckt habe, habe sie sich schon w√§hrend der Fahrt in einem Gespr√§ch mit dem Angeklagten von der Tat distanziert (‚ÄúDas machst Du gleich aber allein.‚ÄĚ). Der Taxifahrer hatte die √Ąu√üerung geh√∂rt, ihr aber keinen Wert beigemessen. Im weiteren Verlauf habe sie nie die Tatherrschaft besessen und nur nach Aufforderung des Angeklagten gehandelt.

In ihren Schlu√üworten entschuldigten sich beide Angeklagten ausdr√ľcklich und zum Teil tr√§nenreich bei dem als Nebenkl√§ger anwesenden Taxifahrer. Der akzeptierte zwar, da√ü das Gericht der zuk√ľnftigen Entwicklung der T√§ter gro√üen Wert beimesse, bezeichnete diese Herangehensweise dennoch als traurig und fragte: ‚ÄúWer denkt eigentlich an die Opfer?‚ÄĚ

Die am Ende verk√ľndeten Strafen fielen trotz eines ‚Äúbesonders schweren Raubes und gef√§hrlicher K√∂rperverletzung in Verbindung mit einem hinterlistigen √úberfall sowie der Beihilfe dazu‚ÄĚ vergleichsweise mild aus. Der Angeklagte, der seit der Tat in Untersuchungshaft sa√ü, wurde mit 3 Jahren und 6 Monaten Jugendstrafe bedacht. Er wurde unter Auflagen auf freien Fu√ü gesetzt, bis das Urteil rechtskr√§ftig wird. Der Jugendlichen wurden eine l√§ngerfristige Erziehungsbeistandschaft, die Fortsetzung der nach der Tat begonnenen psychotherapeutischen Behandlung sowie 60 Stunden gemeinn√ľtzige Arbeit auferlegt. Die Behandlung sei notwendig, um die Entwicklung einer ‚Äúhandfesten‚ÄĚ Pers√∂nlichkeitsst√∂rung zu vermeiden, so der Richter. Er wies darauf hin, da√ü bei Nichteinhaltung der Auflagen Jugendarrest drohe.

(jr)

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