Wartezeitmodelle in Taxitarifen

1. Der klassische Taxitarif

(gilt für etwa 3/4 aller deutschen Taxen)

Strecke und Zeit wirken wechselweise. Es gilt stets der teurere der beiden Tarife, die Umschaltung erfolgt dynamisch bei der sogenannten Umschaltgeschwindigkeit. Beispiel: 30 € je Stunde und 2 € je km führen zu 30/2 = 15 km/h Umschaltgeschwindigkeit. Unterhalb zählt nur die Zeit - 1 Stunde bringt 30 €, während 10 km je 2 € bei 10 km/h nur 20 € in der Stunde brächten. Oberhalb zählt nur die Strecke - 20 km je 2 € bei 20 km/h bringen 40 €, während 1 Stunde nur 30 € brächte. Bei einem Staffeltarif mit mehreren Tarifzonen gibt es dementsprechend mehrere Umschaltgeschwindigkeiten.

2. Der Karenztarif

(gilt für etwa 1/4 aller Taxen, u.a. in Hamburg, Berlin)

Es wird nur die Strecke berechnet. Langsamfahren wirkt sich nicht aus, erst Stillstand über einen bestimmten Zeitraum hinaus (in OL bisher z.B. 90 Sekunden) führt zur Berechnung der Wartezeit. Diese Karenzzeit beginnt bei jedem Stillstand erneut, so daß im Stop´n´Go-Verkehr de facto keine Zeitberechnung anfällt. Karenzzeittarife weisen als Ausgleich häufig höhere Streckenentgelte auf als ein klassischer Taxitarif. Der Einfluß der "fehlenden" Wartezeitberechnung wurde in Hamburg vor einiger Zeit gutachterlich mit etwa 11 % festgestellt. Konkret hängt dieser Wert von der Verkehrsverhältnissen vor Ort und dem Zeitpreis/Streckenpreis-Verhältnis ab, kann also sowohl niedriger (vor allem nachts) als auch höher (vor allem tagsüber) ausfallen.

3. Der Paralleltarif

(insbesondere vom GVN vorangetriebenes Tarifmodell)

Strecke und Zeit werden während der kompletten Fahrt gleichzeitig berechnet. Der Streckenpreis wirkt auf den ersten Blick recht niedrig, der Zeitfaktor erhöht ihn aber insbesondere bei Fahrten im zähen Verkehr deutlich, selbst wenn der reine Zeitpreis ebenfalls niedrig ist.

Vor- und Nachteile

Alle Tarifmodelle haben Vor- und Nachteile. Der klassische Tarif bildet erhöhten Zeitbedarf in Grenzen ab, der Paralleltarif vollständig, der Karenztarif de facto gar nicht. Was dem unternehmerischen Interesse entgegenkommen mag, steht allerdings in völligem Gegensatz zum Fahrgastinteresse hinsichtlich transparenter Preise. Während der Karenztarif auf der gleichen Strecke immer zum gleichen Preis führt, schwanken die Fahrpreise beim klassischen Tarif je nach Verkehrslage und Ampelschaltung leicht. Der Paralleltarif macht eine Vorabkalkulation allerdings zum Würfelspiel. Zudem ist er durch die Fahrer beeinflußbar und damit konfliktträchtig, denn absichtlich schnelles Fahren senkt den Preis, absichtlich langsames steigert ihn.

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